In den küstennahen Meeresflächen Niedersachsens sollen Fanggebiete der Krabbenfischer geschlossen werden. Die Fischer protestieren: Werden die Pläne umgesetzt, müssen einige Betriebe wohl aufgeben.

Dirk Sander ist in großer Sorge: „In der Wichter Ee fischt meine Familie seit ewigen Zeiten. Mein Großvater hat dort seinen Lebensunterhalt verdient, mein Vater, ich. Und jetzt fischen dort mein Sohn und mein Enkel.“ Die Wichter Ee zwischen Norderney und Baltrum ist ein wichtiger Fanggrund – und nun sogenannter „Suchraum“ für fischereifreie Gebiete. Die niedersächsische Landesregierung hat insgesamt 16 solcher Suchräume festgelegt: In 40 % davon soll künftig die Krabbenfischerei verboten werden. Hintergrund sind strengere EU-Anforderungen an den Meeresnaturschutz. Die Fischer verweisen jedoch darauf, dass sie nachweislich umweltschonend arbeiten.  

„Der Widerstand ist riesig“

Seit Generationen leben die Sanders von der Fischerei. Nun droht der Familientradition das Aus: „Wenn die Wichter Ee geschlossen wird, müssen die Jungs ihren Betrieb aufgeben“, sagt Dirk Sander. Denn ihr kleiner Kutter sei gebaut für das Fischen im flachen Wattenmeer. Auf offener See kann es für die Uranus bei Sturm schnell gefährlich werden. Und für einen größeren Kutter fehlt nach wirtschaftlich schwierigen Jahren das Geld. Sorgen um die Zukunft machen sich alle rund 160 niedersächsischen Kapitäne, die in den Weiten der Nordsee auf Fangfahrt gehen: „Der Widerstand ist riesig. Wir können uns das nicht gefallen lassen“, berichtet Sander von den Sitzungen, auf denen die Pläne vorgestellt wurden. Betroffen sind auch Hotspots der Fischerei – wie etwa die Wurster Nordseeküste oder Gebiete rund um Borkum.

Zehn Prozent des Küstenmeers soll nicht befischt werden

Welche Gebiete die Schließungen treffen, darüber entscheidet jetzt die Regierung in Hannover. Für die Fischer geht es um die Existenz. Zehn Prozent der küstennahen Gewässer sollen künftig fischereifrei sein, so die Vorgabe der EU. Aber das ist nicht alles: In den Fanggebieten der Fischer entstehen zugleich große Baustellen für Unterwasserkabel, die den Strom von den Windparks weit draußen auf dem Meer an Land bringen. Hinzu kommen LNG-Terminals, Containerhäfen sowie Schüttstellen, an denen Sedimente aus Flüssen und Häfen verklappt werden.

MSC: Nachhaltigkeit mit Brief und Siegel

Für die Krabbenfischer fühlt es sich so an, als andere Nutzungen Vorrang haben: „Für uns bleibt immer weniger übrig. So können wir keinen Betrieb führen“, findet Sander. Besonders bitter: Die Fischer bemühen sich seit Jahren umweltschonend zu arbeiten. Ihre Netze haben Fluchtöffnungen und große Maschen, so dass versehentlich gefangene Fische und junge, kleine Krabben wieder hinausschwimmen können. Das leichte Fanggeschirr hat nur minimale Auswirkungen auf den Meeresboden, das zeigt eine Studie des Thünen-Instituts. Außerdem haben die Fischer der drei Fangnationen ein gemeinsames Management verabredet. Sind die Fänge gering, machen die Fischer Fangpausen, damit sich der Krabbenbestand erholen kann. Für ihren Einsatz haben die Fischer auch das MSC-Zertifikat für nachhaltige Fischerei erhalten.

Fischerei gehört zur Nordsee wie Ebbe und Flut

Nun ist die niedersächsische Landesregierung am Zug. Die Fischer an der Nordsee wollen ihr Handwerk erhalten. Zu Kompromissen sind sie bereit – aber sie brauchen eine verlässliche Perspektive für die Zukunft. Dass von Häfen wie Greetsiel, Dorum-Neufeld und Cuxhaven eines Tages keine Kutter mehr auslaufen, kann und will sich an der Küste niemand vorstellen.

 

 

 

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