Mit den Fischern sprechen – nicht über sie: Das ist der Ansatz der gerade gegründeten Netzwerkstelle für die Küstenfischerei. Sie soll helfen, dem jahrhundertealten Handwerk wieder eine wirtschaftliche Perspektive zu geben.

IKTF – so heißt die neue Netzwerkstelle. Die Abkürzung steht für Informations- und Koordinierungsstelle Transformation Fischerei. Ihren Sitz hat sie in Hamburg, angesiedelt ist die IKTF bei der bundesweiten Forschungseinrichtung Thünen. Nun hat das fünfköpfige Team seine Arbeit aufgenommen. Zum Auftakt gab es eine Konferenz mit Gästen aus Wissenschaft, Verwaltung und natürlich Fischern.

Regionalreferentin ist Ansprechpartnerin für die Krabbenfischerei

Ansprechpartnerin für die Krabbenfischer ist Lina Becker. Seit Februar ist sie als Regionalreferentin für die Nordsee an Bord: „Schon im Kinderwagen habe ich Krabben gepult. Mir liegt es wirklich am Herzen die Fischerei zu erhalten, denn sie gehört einfach zum Norden.“  Lina Becker hat Biotechnologie studiert und nach dem Studium Erfahrungen in der Fischereiforschung gesammelt: „Jetzt freue ich mich aus dem Labor rauszukommen und mit den Fischern direkt zusammenzuarbeiten.“

Ideen sollen aus der Fischerei kommen

„Es geht nur gemeinsam, wenn gute Ideen ihren Weg in die Praxis finden sollen“, betont Lina Becker. Deshalb fährt sie jetzt in die Häfen, hört sich um unter den Krabbenfischern und fragt, wie die IKTF unterstützen kann. Die Branche soll mitgestalten. Schließlich weiß sie am besten, was in der Praxis funktioniert. Auf der Auftaktkonferenz in Hamburg wurden viele Themen gesammelt, die die IKTF jetzt angehen will: das schwierige Image der Fischerei, Nachwuchssorgen, hohe Kosten, Sorgen um die Fanggebiete oder aber die überalterte Flotte.

Erste Projekte: Kutter-Prototyp und Verkleinerung der Flotte

Aus den Einnahmen des Windenergie-auf-See-Gesetzes steht Geld zur Verfügung, um den Strukturwandel im Sektor voranzubringen. Erste Projekte laufen bereits – etwa der Bau eines klimaneutralen Kutter-Prototyps oder die Verkleinerung der Flotte, so dass die verbliebenen Betriebe wieder auskömmlich arbeiten können. Die IKTF will künftig beim Bundeslandwirtschaftsministerium weitere Projekte anstoßen. Kleinere Ideen kann sie aus ihrem eigenen Budget fördern: zum Beispiel den Austausch mit Kollegen aus den Niederlanden zur Tintenfisch-Fischerei oder Beratung zu neuen Einkommensquellen.

Fokus auf Diversifizierung

Die Regionalreferentin setzt auf einen engen Austausch mit den Fischern: „Wer Ideen für neue Projekte hat, kann sich jederzeit bei mir melden. Dann schauen wir zusammen, was machbar ist.“ Keine am Schreibtisch entwickelten Konzepte realisieren, sondern die guten Ideen aus der Praxis umsetzen – so soll es laufen. Die Fischerei wird sich verändern müssen, aber es muss für den einzelnen eben auch passen.

„Die Fischer leben vom Meer – und sie lieben es“

Ein Thema an dem die IKTF auf jeden Fall arbeiten will, ist das Image der Branche. Hartnäckig hält sich die Meinung, dass die Krabbenfischerei Lebensräume zerstöre. Lina Becker sagt: „Dass der Einfluss der Krabbenfischerei kaum Auswirkungen hat, zeigt eine Studie des Thünen-Instituts. Die Fischer leben vom Meer – und sie lieben es. Das Ökosystem zu erhalten ist in ihrem ureigenen Interesse.“

Kontakt zur IKTF: https://www.thuenen.de/de/thuenen-institut/zentralbereich-und-stabsstellen/informations-und-koordinierungsstelle-transformation-fischerei

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