Der Niedersächsische Fischereidialog ist abgeschlossen. Nach anderthalb Jahren Verhandlungen mit Fischern und Naturschutzverbänden wurde nun der erarbeitete Kompromiss gemeinsam von Ministerien und Verbänden vorgestellt.  Zufrieden sind die Krabbenfischer nicht.

„Wir müssen damit leben“, sagt Fischer Stephan Hellberg zum Ende des Niedersächsischen Fischereidialogs. Künftig dürfen er und seine Kollegen ihre Netze in folgenden Gebieten nicht mehr auswerfen: nördlich von Juist, in der Leybucht, vor der Gemeinde Wangerland, im östlichen Jadebusen, in der Außenweser und an der Wurster Nordseeküste. Das Fangverbot für die Wurster Küste trifft Hellberg hart: Seit 40 Jahren fischt er von Dorum aus. „Wir versuchen, das Positive da rauszuziehen. Und dann ist es halt so“, sagt er im Interview. Sein Kollege Dirk Ostendorf aus Fedderwardersiel meint: „Das kommt einem Berufsverbot gleich. Das kann man vergleichen, als wenn man dem Bauern die Wiese nimmt.“

10 Prozent des Küstenmeers sollen fischereifrei sein

Fast anderthalb Jahre haben das Landwirtschafts- und das Umweltministerium, die Fischerei und die Naturschutzverbände um einen Kompromiss gerungen. Die Aufgabe: Nach Plänen der EU sollen 10 Prozent des niedersächsischen Küstenmeers frei von menschlichen Nutzungen sein – zusätzlich zu den Stellen, die Fischer ohnehin umfahren müssen. Das gilt etwa für LNG-Terminals, Schüttstellen, an denen Sedimente aus Häfen und Flüssen verklappt werden, oder Baustellen wegen neuer Unterwasserkabel.

Politik betont Planungssicherheit

Die Landespolitik ist mit dem Ergebnis des Fischereidialogs zufrieden. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte betonte die Planungssicherheit für die Krabben- und Muschelfischerei. Mitverhandelt hatte auch Umweltminister Christian Meyer. Er sagte, das Flächenkonzept bringe „die Anforderungen des Meeresnaturschutzes mit den Interessen der niedersächsischen Küstenfischerei in Einklang und ist geeignet, Naturschutz und Küstenfischerei gemeinsam in die Zukunft zu führen.“

Und so geht es weiter: Die Ministerien wollen nun einen Entwurf zur Änderung des Nationalparkgesetzes mit den fischereifreien Gebieten vorlegen. Dieser muss anschließend vom Landtag beschlossen werden. Außerdem kündigten die Ministerien an, den Austausch mit Fischerei und Umweltverbänden fortsetzen zu wollen.

Mit MSC-Siegel: Krabbenfischerei ist nachhaltig

Wie groß ist der Einfluss der Krabbenfischerei auf das Wattenmeer? Sicher ist: Der Lebensraum verändert sich permanent durch Gezeiten, Stürme, aber auch Temperaturwechsel. Flora und Fauna müssen allein wegen der natürlichen Gegebenheiten widerstandsfähig sein. Kurze Regenerationszeiten und hohe Reproduktionsraten zeichnen viele Arten im Wattenmeer aus. Eine Studie des Thünen-Instituts kam zudem zu dem Schluss, dass die Auswirkungen der Krabbenfischerei im Vergleich zu den natürlichen Störungen gering ausfallen. Dass die Krabbenfischer nachhaltig arbeiten, bescheinigt ihnen auch das Nachhaltigkeitssiegel MSC. Seit 2017 ist die Branche zertifiziert.

Die Fischerei braucht Zukunftsperspektiven

Die Entscheidung aus Hannover kommt in einer Zeit des Umbruchs für die Küstenfischerei. Die Branche leidet unter anderem unter hohen Dieselpreisen, niedrigen Fangmengen und einer alten Flotte. 30 Prozent der Flotte sollen künftig verschwinden, deshalb hat die Bundesregierung ein Abwrackprogramm aufgelegt. Dass es auch künftig Krabbenfischerei an der Nordsee geben soll, darin sind sich die meisten in den Küstengemeinden einig. Die Fischerei hat hier eine lange Tradition und gehört zur Identität. Damit sie langfristig eine Perspektive hat, braucht es aber mehr als die Flottenreduktion.

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