Die Natur schützen – das wollen auch die Krabbenfischer. Pläne für fischereifreie Gebiete an der niedersächsischen Küste sehen sie jedoch kritisch. Dafür bringen sie alternative Flächen ins Spiel.

Zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeers sollen nach einer EU-Vorgabe künftig fischereifrei sein. Nun liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch: Nördlich von Borkum, südöstlich von Wangerooge, im östlichen Jadebusen, in der Wesermündung und an der Wurster Nordseeküste sollen die Krabbenfischer ihre Netze bald nicht mehr auswerfen dürfen. In der Fischerei stoßen die Vorschläge auf Ablehnung: „Für uns Fischer ist es immer bitter, Fanggründe abzugeben. Aber die konkreten Vorschläge tun uns extrem weh“, sagt Gerold Conradi, zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverbands.

Kleine Kutter können nicht ausweichen

Es geht um die Zukunft der Familienbetriebe und ganzer Häfen. Gerade die kleinen Sielhäfen an der Wurster Küste – Dorum, Wremen und Spieka – hätten kaum Perspektiven, wenn die Pläne nicht angepasst würden. Auch große Häfen wie Ditzum, Greetsiel und Norddeich wären betroffen: „Von dort gehen 40 Kutter auf Fangfahrt. Wenn das Schutzgebiet nördlich von Borkum kommt wie geplant, bedeutet das für die Hälfte der Flotte das Aus“, warnt Gerold Conradi. Denn gerade die kleinen Kutter können nicht weiter rausfahren, dafür sind sie nicht gebaut.

Alternativen: Leybucht und Pilsumer Watt

Die Fischer schlagen Alternativen vor: „Wir könnten besser leben mit fischereifreien Flächen in der Leybucht und im Pilsumer Watt. Außerdem wäre es gut, das Schutzgebiet nördlich von Borkum noch ein Stück weiter nach Norden zu verlagern“, sagt Conradi. Die Fischer haben ihre Vorschläge innerhalb der Branche abgestimmt und bei den Landesministerien in Hannover eingereicht. Nun wollen sie weiter verhandeln beim Niedersächsischen Fischereidialog, wo Politik, Fischerei, Umweltverbände und Kommunen gemeinsam Lösungen suchen.

Umweltschutz liegt im eigenen Interesse der Fischerei

Fischereiexperte Conradi bleibt optimistisch: „Minister Meyer und Ministerin Staudte waren sehr offen für unsere Ideen beim Fischereidialog. Da gibt es Gesprächsbereitschaft.“ Politik, Fischerei, Umweltverbände und Kommunen beraten seit gut einem Jahr gemeinsam über den künftigen Zuschnitt der Fanggebiete. Nun liegt der Ball beim Umwelt- und beim Fischereiministerium. Dass Meere und Klima besser geschützt werden, steht für die Krabbenfischer ganz oben, denn auch ihre Zukunft hängt von einer intakten Umwelt ab. Aber dabei sollten auch ihre Belange berücksichtigt werden. Es geht ihnen um Augenmaß. Dazu kommt, dass sie in den vergangenen Jahren zum Beispiel durch Klappstellen oder Kabeltrassen bereits wichtige Fanggründe verloren haben.

„Zukunft wird es nur mit Sicherheiten geben“ 

Für die Fischerei sind die Fanggründe der Dreh- und Angelpunkt. Geht der verfügbare Raum weiter zurück, schrumpft die Zukunftsfähigkeit der Branche. Die Betriebe brauchen Planungssicherheit, denn nur dann lohnen sich auch Investitionen. Ein Beispiel ist das Projekt KUNO, kurz für „Zukunftskutter Nordsee“. An der Hochschule Emden/Leer wird derzeit ein Prototyp für ein neues Fangfahrzeug mit Methanol-Antrieb entwickelt und erprobt. „Das ist eine super Sache“, sagt Conradi. Schließlich wollen auch die Fischer CO2-neutral werden. Damit eine solche Innovation eines Tages in der Praxis ankommt, brauchen die Betriebe aber verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören langfristige Perspektiven für Fangmöglichkeiten genauso wie Finanzierungsmodelle. Conradi ist überzeugt: „Wir haben junge Fischer, die ihren Beruf lieben und leben. Die Zukunft ist für sie aber nur mit Sicherheiten möglich.“

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