Was passiert unterm Kiel, wenn ein Krabbennetz über den Meeresboden gleitet? Darüber rätseln Krabbenfischer seit vielen Generationen. In einem riesigen Strömungskanal in Dänemark haben die Fischer nun erstmals beobachtet, wie ihre Fanggeräte arbeiten – und gemeinsam mit der Wissenschaft neue Ideen diskutieren.
Ganz im Norden Dänemarks liegt der kleine Fischerort Hirtshals. Das Besondere: Dort gibt’s einen Wissenschaftspark inklusive dem europaweit größten Strömungskanal: „Das ist quasi ein Pool mit einer Glasscheibe, so dass wir sehen können, was unter Wasser passiert“, erklärt Anni Brüger. Die Zoologin forscht am Thünen-Institut für Ostseefischerei an Fangmethoden und betreut das Innovationsprogramm des Krabbenfischerbeirats Schleswig-Holstein. Den jährlichen Workshop des Programms hat sie in den Wissenschaftspark verlegt: „Wir wollten den Fischern ganz praktisch zeigen, wie ihre Ideen unter Wasser funktionieren.“
15 Ideen aus der Praxis wurden mit dem Innovationsprogramm getestet
Im Strömungskanal wurden verschiedene Baumkurren-Varianten und Netzdesigns live begutachtet und diskutiert. Was sonst nur vermutet werden kann, ließ sich hier unmittelbar beobachten. Dass Fischerei und Wissenschaft gemeinsam zu guten Lösungen kommen, zeigt das Innovationsprogramm. Über 15 Ideen aus der Fischerei hat das Thünen-Institut im Rahmen des Programms getestet – darunter Ansätze um die Fangtechnik zu optimieren, Beifang zu vermeiden oder Schiffsdiesel zu sparen.
Ziel: Beifang vermeiden, Meeresgrund schützen
Ein Beispiel für die Zusammenarbeit ist die Steertboje: Das Netz wird mit einer Boje versehen, so dass es nicht mehr über den Meeresgrund schleift und der bis dahin übliche Scheuerschutz aus Plastik überflüssig wird. Die Idee stammt von dem Föhrer Fischer Henning Dulz, der ebenfalls in Dänemark dabei war. Zusammen mit dem Thünen-Institut arbeitet er jetzt schon an der nächsten Innovation: einem Netz, das Lebewesen am Meeresgrund schützen soll. Mit einem neuen Netzdesign sollen Seesterne, Muscheln oder Strandkrabben ganz leicht wieder aus dem Netz gelangen. „Noch werten wir die Daten unserer Fangreisen aus, aber die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, sagt Wissenschaftlerin Anni Brüger. Auch das neue Netz mit dem Fluchtfenster konnten die Fischer im Strömungskanal in Dänemark unter die Lupe nehmen.
„Wir wollen immer besser werden.“
Fischer Henning Dulz denkt schon sein ganzes Berufsleben lang darüber nach, wie sein Handwerk umweltschonender werden kann: „Wir wollen immer besser werden, um die Natur zu schützen und den jungen Leuten eine Zukunft zu geben.“ Schon während seiner Ausbildung habe ihn sein Kapitän ermutigt, Dinge zu hinterfragen und Neues auszuprobieren: „Mir macht das große Freude und die Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut ist wirklich ausgezeichnet.“ Zweimal begleitete er Tests auf dem Fischereiforschungsschiff Solea. Fischerei und Wissenschaft verfolgen das gleiche Ziel: ein Netz, in dem am besten ausschließlich Krabben landen.
Zusammenarbeit Wissenschaft und Fischerei wird fortgesetzt
Der Workshop in Dänemark sollte den Austausch weiter vertiefen. Das habe „hervorragend geklappt“, findet Anni Brüger. Fischer aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen waren dabei, aber auch Netzmacher und Vertreter von Behörden und Umweltverbänden. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen. Ob es im kommenden Jahr wieder einen Workshop gibt? Das steht noch nicht fest – aber das Thünen-Institut macht sich dafür stark. Klar ist aber: Neue Ideen aus der Praxis sind weiterhin gefragt – und willkommen.
