Mehr Platz für Windparks, mehr Flächen für den Naturschutz: Die Flotte der Krabbenfischer soll um ein Drittel kleiner werden. Die ersten Fischer haben ihre Anträge gestellt, um Zuschüsse für das Stilllegen ihrer Schiffe zu bekommen. 

Maik Bartel fischt seit fast vierzig Jahren. Nun will er von Bord gehen – endgültig. Der 55-jährige Krabbenfischer aus Wremen hat sich für das neue Programm beworben, mit dem der Bund das Stilllegen von Kuttern fördert: „Ich mache die Arbeit wirklich gerne, aber gesundheitlich merke ich die vielen Jahre auf See“, sagt Bartel. Da passt es gut, dass der Bund mit Einnahmen aus dem Windenergie-auf-See-Gesetz jetzt Kutterkapitänen den Ausstieg erleichtern will. Ziel ist es, die Flotte um ein Drittel zu verkleinern, weil Fangkapazitäten und Fangmöglichkeiten nicht mehr zueinander passen.

20 Millionen Euro Förderung für Ausstieg aus der Fischerei

Insgesamt stehen 20 Millionen Euro für das Abwrackprogramm bereit, davon mindestens drei Viertel für die Krabbenfischerei und maximal ein Viertel für die Plattfischfischerei. Noch bis zum 31. März können Anträge für die erste Förderrunde gestellt werden. In dieser Runde sind insgesamt sieben Millionen Euro zu verteilen – jeweils 3,5 Millionen Euro für die Fischer nördlich und südlich der Elbe. Die Höhe der Förderung hängt von der Größe und dem Alter des Kutters ab. Bis zum 16. Januar haben sich bereits 10 niedersächsische und 14 schleswig-holsteinische Krabbenfischer auf den Zuschuss beworben, berichtet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf Anfrage. Ob Maik Bartel mit seinem Kutter Falke zum Zug bekommt, ist ungewiss. Sollten mehr Anträge eingehen als Geld zur Verfügung steht, wird eine Rangfolge erarbeitet. Dann zählen das Alter des Schiffes und des Eigners. 

Kutter sind derzeit nahezu unverkäuflich 

„Wenn es in der ersten Runde nicht klappt, fische ich weiter, bis ich Ende 2026 wieder einen Antrag stellen kann“, sagt Fischer Bartel. Denn den Kutter an einen jungen Kollegen verkaufen und ohne Förderung in Seemannsrente gehen, funktioniert nicht. Wegen der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Perspektiven werden Kutter gerade kaum nachgefragt, es gibt praktisch keinen Markt. So fehlt den Fischern mit dem Verkaufserlös ein wichtiger Baustein zur Altersvorsorge. 

Bessere Perspektiven für eine kleinere Flotte 

Wie geht es weiter für die Krabbenfischerei? Für den Nachwuchs ist es jetzt wichtig durchzuhalten. Ziel des Abwrackprogramms ist es, den verbliebenen Betrieben die Zukunft zu sichern. Mit einer kleineren Flotte sollen die Fänge für den Einzelnen wieder steigen. Gleichzeitig gehen die Fischer davon aus, dass die Fanggebiete künftig kleiner werden: Zum einen gibt es Forderungen, mehr Flächen für den Meeresnaturschutz zu reservieren. Zum anderen werden in den Weiten der Nordsee neue Windkraftanlagen und Kabeltrassen gebaut.  

„Draußen auf dem Wasser zu sein – das ist einfach eine andere Welt.“ 

Maik Bartel würde sich trotz der Herausforderungen immer wieder für die Fischerei entscheiden: „Die Bürokratie macht es uns Fischern manchmal schwer, aber die Arbeit ist etwas ganz Besonderes. Draußen auf dem Wasser zu sein – das ist einfach eine andere Welt.“ Auf seinem Kutter Falke ist er seit 30 Jahren unterwegs, erst als Decksmann, seit dem Jahr 2000 als Kapitän: „Ich versuche gerade nicht darüber nachzudenken, dass ich den Kutter irgendwann verschrotten werde. Das ist kein schönes Gefühl.“ Was er eines Tages mit seiner freien Zeit anfangen will? „Ich habe immer nur gefischt. Was ich dann mache, überlege ich erst, wenn es so weit ist. Das kann ich nicht planen.“

 

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