Boje Hinz hat zunächst Lastwagen und Transporter repariert, bevor er sich für die Ausbildung zum Fischwirt entschieden hat. An Land fand er den immer gleichen Tagesrhythmus öde. Er mag es, wenn Wattenmeer und Wetter den Takt vorgeben.

 Sein Großvater hat Krabben gefangen, Vater und Bruder fischen ebenfalls – Boje Hinz hat das Fischen also im Blut. Ausprobieren wollte er das Leben an Land dennoch. Nach seinem Schulabschluss hat er deshalb eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt Nutzfahrzeuge gemacht: „Irgendwann ging mir der immer gleiche Rhythmus aber auf die Nerven. Das ist mir zu langweilig.“ Natürlich gibt es auch auf dem Krabbenkutter Routinen, und trotzdem fühlt sich für den 21-Jährigen das Arbeiten an Bord freier an: „Es ist immer anders. Allein diese Spannung, wenn man die Netze aus dem Wasser holt. Und wenn wir einen guten Fang machen, fühlt sich das einfach gut an.“

Mit Vater und Bruder Krabben fischen

Im April hat der Mann aus Husum seine Ausbildung zum Fischwirt begonnen. Angestellt ist er beim Föhrer Krabbenfischer Henning Dulz, wo auch sein Vater und sein Bruder arbeiten. Ihre Fanggebiete liegen zwischen der dänischen Grenze im Norden und gehen bis zur Elbmündung im Süden. Am Sonntagabend fahren sie raus auf die Nordsee, am Freitag ist Feierabend. Zwischendurch laufen sie nur den Hafen an, um ihre Fänge abzuliefern. Ob sie nachts oder tagsüber fischen, wo sie ihre Netze auswerfen – all das bestimmt die Natur. Boje Hinz ist vor allem für die Verarbeitung verantwortlich: Er muss die frisch gefangenen Krabben sieben, dann kochen und abfüllen. Die Arbeit ist anstrengend und verlangt Fingerspitzengefühl. In Rendsburg lernt der Azubi die Theorie. Zu jedem Ausbildungsjahr gehören 10 Wochen Unterricht an der Berufsschule. Auf dem Stundenplan stehen Themen wie Navigation, Fangtechnik, Fischverarbeitung und Hygieneanforderungen.

„Unsere Familie ist mit dem Meer und der Fischerei verbunden.“

„Die meisten meiner Mitschüler kommen wie ich aus Fischerfamilien.“ Schon als kleiner Junge haben er und sein Bruder mit dem Opa Krabben gefangen und kennen das tagelange Miteinander auf dem Kutter: „Unsere Familie ist mit dem Meer und der Fischerei verbunden.“ Aber auch Menschen, die nicht an der Küste zuhause sind, legt er die Fischerei ans Herz: „Wir brauchen junge Leute in unserer Branche. Es ist ein wirklich gutes Handwerk.“ Im Moment sind die Fänge ausgezeichnet, aber die Fischerei hat schwierige Jahre hinter sich – mit immer strengeren Naturschutzauflagen, leeren Netzen und einer alten Flotte.

Viele Zukunftsideen, falls die Krabben wegbleiben

Trotzdem glaubt Boje Hinz an die Zukunft seines Berufs: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Krabbenfischerei verboten wird.“ Er verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen des Thünen-Instituts. Die Auswirkungen der Schleppnetzfischerei seien vergleichbar mit Stürmen und Strömungen, ein komplettes Verbot nicht gerechtfertigt. „Falls die Krabbenfischerei langfristig zu wenig einbringt, fällt uns etwas anderes ein. Algenzucht zum Beispiel. Und dann sind wir immer noch mit dem Meer verbunden.“ Auch wenn der Fischer am liebsten bei seinen Krabben bleiben möchte – Hummer oder Krebse könnten Alternativen sein. Zudem tauchen in der Nordsee immer häufiger Kalmare auf, die eigentlich im Mittelmeer zuhause sind. Entwickelt sich ein stabiler Bestand, könnten auch sie gezielt gefischt werden.

Rezepte? Familiengeheimnis!

Und gibt es an Bord Rituale? „Mir ist wichtig, dass unser Kutter Hartje nach der Fangreise gut im Hafen liegt und die Netze ordentlich hochgebunden sind. Alles soll schön sein, damit wir nach dem Wochenende gleich wieder losdampfen und die Geschirre über Bord werfen können.“ Auch am Wochenende lassen den Azubi die Krabben nicht los – dann landen sie auf dem Teller. Sein Leibgericht ist Porrenpann, Krabben in Sahnesoße. „Die Krabbenfrikadellen meiner Oma sind auch richtig gut.“ Was da genau hineinkommt, bleibt aber Familiengeheimnis. 

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