Auch in Zukunft müssen die Krabbenfischer ihren Beifang nicht anlanden, die neue Ausnahme vom Rückwurfverbot gilt bis Ende 2027. Hintergrund: Die Wissenschaft hat jetzt bestätigt, dass die Krabbenfischer unterhalb der politisch verabredeten Fünf-Prozent-Marke bleiben.

Es kann passieren, dass Krabbenfischer quotierte Fischarten in ihren Netzen finden, die sie gar nicht fangen wollten. Diesen Beifang müssen sie im Normalfall anlanden, anschließend werden die ungewollt gefangenen Arten auf die Fangquoten angerechnet. Für die Krabbenfischer gilt eine Ausnahme von der europaweiten Anlandeverpflichtung. Denn es wird angenommen, dass sich in ihren Netzen kaum Beifang quotierter Arten findet. Dass sich verhältnismäßig wenig Schollen, Wittlinge oder Heringe in die Netze der Krabbenfischer verirren, bestätigt jetzt Dr. Kim Hünerlage vom Thünen-Institut für Seefischerei. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Dänemark und den Niederlanden hat sie untersucht, wie viel Beifang sich in den Netzen der Krabbenfischer sammelt: „Anhand der uns gelieferten Proben konnten wir das Gewicht des Beifangs der einzelnen quotierten Fischarten hochrechnen und in Relation zur Gesamtfangmenge der jeweiligen Fischart setzen. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Beifänge für die Jahre 2019-2022 weniger als fünf Prozent der Gesamtmenge ausmachten.“

Auch künftig müssen Fischer Proben ihres Beifangs liefern

Die Fünf-Prozent-Marke hat die Europäische Union quasi als „Geringfügigkeitsgrenze“ festgehalten. Weil die Fischer weniger als fünf Prozent der Gesamtmenge an quotierten Arten angelandet haben, konnte die Ausnahmeregelung verlängert werden. Zahlreiche Fischer aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden haben sich an der Untersuchung beteiligt und Proben an die Wissenschaft geliefert. So konnten die Fischer nachweisen, wie selektiv ihre Netze funktionieren. Die neue Ausnahmegenehmigung ist befristet bis Ende 2027. Auch künftig müssen die Fischer mit Proben ihrer Fänge belegen, dass die Sonderregelung weiterhin gerechtfertigt ist. Dr. Kim Hünerlage: „Die Verstetigung der Ausnahme ist ein echter Ansporn die Beprobung fortzusetzen und transparent zu arbeiten. Die Fischer haben es in der Hand.“

Netze mit großen Maschen und „Fluchtklappen“ 

Nachhaltiges Arbeiten mit möglichst wenig Beifang ist in der Krabbenfischerei schon lange ein wichtiges Thema. Die Fischer arbeiten eng zusammen mit der Wissenschaft, um ihre Netze weiter zu optimieren. In den vergangenen Jahren wurden die Netzmaschen immer weiter vergrößert, um Beifang zu vermeiden. Außerdem sind sogenannte Siebnetze im Einsatz, das sind Netze mit „Fluchtklappen“, durch die größere Fische herausschwimmen können. Ein Netz, in dem zu einhundert Prozent nur Krabben landen, wird wohl auch in Zukunft Wunschdenken bleiben. Aber die Fischer bemühen sich gemeinsam mit der Wissenschaft Netze immer selektiver zu machen. Zudem gelingt es den Fischern mit modernen Sortiermaschinen Krabben und „Zufallsbeute“ schnell zu trennen. So können sie Wittlinge, Schollen, Heringe und Co. schnell zurück in die Nordsee entlassen, wo sie im besten Fall weiterwachsen. Möglichst nachhaltiges Arbeiten mit kleinstmöglichen Auswirklungen auf das Ökosystem – das ist der Ansatz in der Krabbenfischerei.

 

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